Kreative Jung-Unternehmerin

„Irgendwas mit Mode“ wollte Eva Glöckner schon immer machen. Aber nur mit ordentlicher, handwerklicher Ausbildung. Heute, nach Studium und sieben Jahren Berufserfahrung als Stylistin bei der Mediengruppe RTL in Köln, hat sie ihre eigene Firma: „MainDirndl“ nennt sich das Label für exklusive Trachten-Couture, mit dem sich die Designerin und Modeschneiderin in Mainberg, in der Heimatgemeinde Schonungen im Landkreis Schweinfurt selbstständig gemacht hat – mit Erfolg.

Die große, weite Welt wollte sie als Abiturientin sehen, denkt Eva Glöckner heute zurück. Und sie weiß inzwischen: „Wer einmal draußen war, der hat einen offenen Blick für Neues“.

Mit RTL in der halben Welt auf Drehterminen

Eva Glöckner in ihrem Atelier in Mainberg (Bild: Silvia Eidel)

Ihr Weg führte sie zunächst zur Ausbildung als bekleidungstechnische Assistentin und Modeschneiderin. Nach zwei halbjährige Praktika, bei s.Oliver und im spanischen Alicante, studierte sie Modedesign in Mönchengladbach. 2008 begann sie als Stylistin bei RTL in der Großstadt Köln, sich um die Kostüme von Stars und Sternchen, von der Samstagabend-Show bis zum Nachrichtenmagazin oder dem Werbedreh zu kümmern.

Viele Erfahrungen hat sie dabei gesammelt, war in der halben Welt bei Drehterminen oder Modeschauen dabei. Sie hat gelernt zu kommunizieren, Kontakte zu knüpfen, selbstbewusst aufzutreten und gewann an Fachkompetenz. „Aber ich konnte mich dort nicht weiterentwickeln“, blickt Eva Glöckner zurück. Der Wunsch, etwas Eigenes zu kreieren, ihr Faible für Trachten auszuleben, wuchs stetig.

Weil sie in diesen Kölner Jahren den Kontakt zum Heimatort, zu Familie und Freunden pflegte und auch die geliebten Kirchweihfeste besuchte, lernte sie ihren heutigen Verlobten dort kennen. Nach eineinhalb Jahren Fernbeziehung traf sie 2015 ihre Entscheidung: Rückkehr nach Hause und der Schritt in die Selbstständigkeit mit ihrem Trachtenlabel „MainDirndl“.

Ihre aufwändigen, detailreichen und maßgeschneiderten Trachten-Unikate aus besonderen und vielfältigen Materialien fertigte sie zunächst in der heimischen Wohnung. Seit 2017 arbeitet sie im eigenen Atelier plus Showroom im historischen Amtshaus in Mainberg. Dort hat das Paar auch seine Wohnung bezogen. „520 Euro Kaltmiete für 90 Quadratmeter – in Köln müsste ich das Dreifache zahlen“, hat Eva Glöckner erfahren, „wenn man überhaupt etwas findet“. Auch andere Lebenshaltungskosten „sind hier viel geringer“.

Weil sich die junge Unternehmerin auch ein Kind wünscht, war ihr die Nähe zu den Eltern und damit möglichen Betreuungspersonen wichtig. Außerdem weiß sie, dass in ihrer Heimatgemeinde ein Kindergartenplatz kein Problem ist – im Gegensatz zur Großstadt Köln.

Den Standort ihrer Firma im Landkreis Schweinfurt schätzt sie hoch ein. „Die Lage ist gut: mitten in Deutschland“, meint sie, zwischen Köln und München, zwischen Hamburg und Salzburg und dank guter Autobahnanbindung und Bahnanschluss. Denn zum einen ist sie noch immer als freie Stylistin gefragt, zum anderen präsentiert sie ihre Designer-Dirndl auch auf Messen.

Über die sozialen Medien sowie ihre Homepage wirbt sie für ihre Trachten-Couture. Die meisten Kunden kontaktieren sie aber direkt, per Mail oder Telefon. Es sind so viele geworden, dass sie jetzt eine Näherin als Hilfe einstellen wird.

„Es ist wichtig, seine Wurzeln zu kennen, auszufliegen und wieder zurückzukommen“

„Für mich ist das eine Wertschätzung von Kleidung, von Handwerk, meinem Wissen und der Tradition“, freut sich die 35jährige Unternehmerin. In ihre stylischen Trachten lässt sie gerne das Fränkische einfließen. Denn selbst ist sie traditionsbewusst, sie liebt Kirchweih- und Weinfeste, ist aber auch offen für großstädtisches Leben. Die Inspiration für ihre Kollektionen bekommt sie sowohl aus ihrer Heimatverbundenheit als auch durch die Erfahrungen in der Mode- und Medienbranche. „Es ist wichtig, seine Wurzeln zu kennen, auszufliegen und wieder zurückzukommen“, ist Eva Glöckner überzeugt.