Auf der Entschleunigungsspur

„Entschleunigend“ nennt Ralf Fambach sein heutiges Leben im nördlichen Landkreis Schweinfurt, genauer im Schonunger Gemeindeteil Hausen. Die Natur vor der Haustür, gesunde Luft, gesellige Franken, dazu ein vernünftiges Preisgefüge – und eine Top-Verkehrsanbindung mit Autobahnanschluss an die A 70 und Bahnhaltepunkt. „Da ist man schnell in Nürnberg, Würzburg oder Frankfurt“.

Schnell sein, unterwegs sein, neue Erfahrungen sammeln: das gilt auch für den 40jährigen Maschinenbauingenieur selbst. Über Umwege war der in Schonungen-Waldsachsen geborene Mann zum Abitur gelangt: Erst Hauptschule, dann Kfz-Mechaniker-Lehre, dann Bundeswehr. Währenddessen absolvierte er den Kfz-Technikermeister und Betriebswirt des Handwerks.

Dank der guten Verkehrsanbindung ging es am Wochenende von Stuttgart über Waldsachsen nach Leipzig und zurück

Mit 20 Jahren hatte Ralf Fambach anschließend den Wunsch, die behütete Heimat zu verlassen und Erfahrungen zu sammeln. Die Metropole Stuttgart und der Omnibus-Hersteller Neoplan waren 1998 seine erste Herausforderung. Ein Kollege empfahl dem cleveren jungen Mann doch noch zu studieren. Berufsbegleitend bewältigte er ein Maschinenbau-Studium in Sachsen-Anhalt. „Damals war ich viel unterwegs“, lacht der Ingenieur, „vor allem am Wochenende“. Von Stuttgart ging es über Waldsachsen nach Leipzig und zurück.

Mit der Band „Frankenräuber“ tritt der leidenschaftliche Musiker seit über 20 Jahren auf

Keine Probleme mit der Kinderbetreuung hat Familie Fambach in Schonungen (Bild: Silvia Eidel)

Die Bindung an die Heimat war geblieben, nicht nur wegen Eltern, Geschwistern und Freunden. Auch seine Freundin und heutige Frau Claudia lebte im Landkreis Schweinfurt. Und vor allem seine mit 18 Jahren gegründete Party- und Stimmungsband, die „Frankenräuber“, gab Ralf Fambach in diesen Jahren nicht auf. Mit ihr trat und tritt der leidenschaftliche Musiker nicht nur im Landkreis Schweinfurt auf, sondern deutschlandweit, sogar in Südafrika, den USA oder wie in 2018 in Malaysia. „Das geht nur, weil wir seit Kindestagen gute Freunde sind“, sagt der Drummer, Sänger und Moderator über seine Bandmitglieder.

Als neue berufliche Herausforderung wählte der frischgebackene Maschinenbauingenieur 2005 die Firma Daimler in Mannheim, bei der er in der Omnibus-Entwicklung arbeitete. Die neue Stadt, die Menschen, die Arbeit empfand er wieder als spannend und bereichernd. Aber er merkte, wie wichtig ihm die Heimat im Landkreis Schweinfurt war. Als seine Tochter Ronja geboren wurde, wusste er, dass das Pendeln zwischen den Welten nicht von Dauer sein konnte, dass er seinen Lebensmittelpunkt wieder in Franken wählen wollte.

Einen neuen Arbeitsplatz fand er 2007 schnell beim Automobilzulieferer ZF in Schweinfurt. Dort leitet er heute das Patent-Management und Benchmark im Bereich Fahrwerk, bei vergleichbarem Einkommen wie in Stuttgart und Mannheim, aber niedrigeren Lebenshaltungskosten, wie er anerkennt.

Mit Frau und Kind zog Ralf Fambach zunächst in eine Dachwohnung im Elternhaus, dann kaufte die inzwischen vierköpfige Familie ein Wohnhaus im Nachbarort Hausen und renovierte es umfassend. Entstanden ist ein großzügiges Domizil für die Familie, die sich noch um einen Sohn vergrößerte. „Den Wunsch nach einem eigenen Haus hätten wir vielleicht in Stuttgart auch verwirklichen können, aber nur weit draußen, viel kleiner und für Unsummen Geld“, konstatieren Ralf und Claudia Fambach.

Den Wald- und Naturkindergarten hat das Paar initiiert

Eine Betreuung ihrer Kinder in der 8000 Einwohner-Gemeinde Schonungen mit seiner guten Infrastruktur bereitete keine Probleme. Beim dritten Nachwuchs initiierte das naturverbundene Paar als pädagogisches Ergänzungsangebot noch dazu einen Wald- und Naturkindergarten, der im September 2017 öffnete. „Das geht nur, weil wir hier ein gutes Netzwerk haben“.

Die Natur, das Radfahren oder Schwimmen im Main und Baggersee, nette Gastwirtschaften wie bei der ortseigenen Brauerei Martin, all das zählt für Ralf Fambach. Und natürlich die Musik seiner „Frankenräuber“, die er zum guten Leben braucht. „Das ist fränkische Kultur“.