Matthias Wehner – Zeit zum Heimkommen

Alles hat seine Zeit. Das ist für Matthias Wehner nicht nur ein Spruch. Der 34jährige Polizeirat aus Hergolshausen erlebt dies und lebt danach: Erst in München, heute in seinem Heimatort im Landkreis Schweinfurt, in den er nach 15 Jahren wieder zurückgekehrt ist.

„Quer durch Bayern“ hatte es den jungen Mann nach seinem Abitur 2003 in Schweinfurt verschlagen, erzählt er lachend. Erst die Bundeswehr in Berchtesgaden, danach der Mittlere Dienst bei der Polizei in Nabburg in der Oberpfalz, dann der Gehobene Dienst in Sulzbach-Rosenberg und schließlich ab 2009 sein Einsatz in der Polizeiinspektion München-Milbertshofen.

Seine Freundin Lisa-Marie war ein Jahr zuvor zum Studium der Diplom-Wirtschaftspädagogik vom Landkreis Schweinfurt ebenfalls nach München gezogen. Das junge Paar genoss die Freizeitangebote der Großstadt, die Biergärten, das Wochenende in den Bergen. Aber es merkte auch, dass das Leben teuer war. „Das hat viel Geld gefressen“, denkt Matthias Wehner zurück.

Zuviel Lärm, zuviel Hektik, zuviel Verkehr, zuviel Menschen, zu anonym

Für Matthias Wehner war es Zeit zum Heimkommen (Bild: Silvia Eidel)

Und irgendwann wurde ihnen die Stadt zuviel: „Zuviel Lärm, zuviel Hektik, zuviel Verkehr, zuviel Menschen, zu anonym“. Der nächste Schritt war 2014 eine gemeinsame Wohnung etwas außerhalb, für 1050 Euro Miete und 45 Minuten Fahrtzeit von der Arbeitsstelle entfernt. Lisa-Marie beendete ihr Referendariat und bewarb sich auf eine Lehrer-Planstelle an der FOS/BOS in Erding. Das Paar heiratete 2015 und überlegte, wie sein Leben weiter verlaufen sollte.

Zurückkommen und beruflich weiterkommen – das geht

Matthias Wehner ist ehrgeizig, er wollte beruflich weiterkommen. Also begann er das Studium für den Höheren Polizeidienst, ein Jahr in Fürstenfeldbruck, ein Jahr in Münster in Nordrhein-Westfalen. Immer öfter kam er mit seiner Frau am Wochenende zu Besuch in sein Heimatdorf Hergolshausen, genoss die Weinfeste, die Familie, das Zusammensein in der Dorfgemeinschaft und stellte fest, dass auch einige seiner Freunde nach Studium oder Ausbildung wieder zurückgekehrt waren.

Den Wunsch nach einem Eigenheim mit Garten hatten beide schon immer gehegt, erst recht, als ihre Tochter Emma auf die Welt kam. „Aber die Preise in München waren für uns viel zu hoch“, denkt Matthias Wehner an besichtigte Häuser, etwa eine Doppelhaushälfte „ganz weit draußen“ für 700.000 Euro, ohne ÖPNV, ohne Infrastruktur. Und die junge Familie merkte auch, wie sehr das Töchterchen bei den Heimatbesuchen ihren Opa und ihre Oma genoss.

Der Verdienst ist gleich, aber die  Kaufkraft ist hier viel höher

Alle Erfahrungen und Überlegungen mündeten schließlich in die Entscheidung, wieder „heimzukommen“, sich in Hergolshausen niederzulassen. Matthias Wehner begann im September 2017 seine Aufgabe als stellvertretender Dienststellenleiter in der 20 Minuten entfernten Polizeiinspektion Schweinfurt – mit dem gleichen Verdienst, wie er ihn in München bekommen würde. „Aber die Kaufkraft hier ist viel höher“, weiß er.

Seine Frau arbeitet als Diplom-Handelslehrerin an der FOS/BOS in Würzburg. „Hergolshausen liegt verkehrstechnisch da ganz gut“, meint sie, „wir sind schnell in Schweinfurt und in Würzburg“.

Seit März 2018 baut das Ehepaar ein freistehendes Einfamilienhaus am Ortsrand. „Das hätten wir im Münchner Raum niemals finanzieren können“, sagt es. Und es entdeckt die Landschaft und Kultur am Main wieder neu, registriert bei Radtouren bewusst die Schönheit der Natur, die Weinberge, die Weite, „das Gefühl der Freiheit“, wie Matthias Wehner sagt.

Für die beiden ist Zeit ein hohes Gut, Zeit miteinander zu verbringen, mit der Tochter, der Großfamilie, den Freunden. „Es war eine schöne Zeit in München“, blicken sie zurück, „aber alles hat seine Zeit“. Heute schätzen sie ihre Zeit in ihrem Heimatdorf.